Wenn Gedanken sich in Poesie verwandeln..

Wenn Gedanken sich in Poesie verwandeln..

…oder wie ich versucht habe eine Überschrift zu finden, die deiner würdig ist (und kläglich daran gescheitert bin).

Schlaftrunken gehe ich die Treppe hinab. Mein Hals kratzt, die Nebenwirkung der kalten Nacht.
Ich öffne die Türe zur Küche, der Boden knarzt, als er unter meinem Gewicht nachgibt.
Es ist friedlich. Es scheint, als wäre dieser Ort von einer unsichtbaren Schutzmauer umzäunt. Es scheint, als könne an diesem Ort kein Unheil geschehen. Es scheint, als gäbe es an diesem Ort keine Nachrichten, keine Schlagzeilen.
Während ich auf meinen Kaffee warte stehe ich am Fenster und blicke zu den Bergen, welche langsam unter der aufbrechenden Wolkendecke erscheinen.
Ich genieße die Ruhe an diesem Morgen, genieße es mich auf nichts konzentrieren zu müssen, nichts hören zu müssen, lediglich das Rauschen des Baches zu vernehmen.
Der Geruch des heißen Kaffees reißt mich aus meinen Tagträumen.
Ich ziehe meine Jacke an, nehme meine Tasse und meine Zigaretten und setze mich auf die kleine Bank vor dem Haus.
Die Vögel begrüßen den Tag, während die ersten Sonnenstrahlen auf die feuchten Blätter der Bäume treffen.


Nachdem der letzte Zug an der Zigarette meine Lungen gefüllt hat kommt sie strahlend angelaufen.
Während es mir morgens schwer fällt ein Fuß vor den Anderen zu setzen, fällt ihr nichts schwerer, als morgens schlechte Laune zu haben.
Ihr Herz pocht so impulsiv, dass sie blutdrucksenkende Medikamente nehmen muss, während der meine Puls beinahe nicht messbar ist.
Wie kann es sein, dass das selbe Blut durch unsere Adern fließt?

Während sie das Frühstück vorbereitet redet sie ohne Pause. Sie spricht auf diese ganz besondere Art und Weise.
Sie liebt es ihre Erzählungen mit intellektuellen Worten zu füllen, welche von ihrem unvergleichlichen Humor begleitet werden.
Ihre grauen Augen strahlen wenn sie redet.
Ich erfreue mich an dieser Rollenverteilung am Morgen, da ich zu früher Stunde (um es mit ihrem Worten auszudrücken) „karg beim Wort“ bin.
Es tut gut ihre Stimme zu hören, höre ich diese doch viel zu selten. Ihr Lachen wärmt mein Innerstes. Das Gefühl, welches ich verspüre, wenn ich bei ihr bin lässt sich nicht in Worte fassen. Es ist, als sei meine Seele auf Kur. Als dürfe ich mit 26 Jahren wieder Kind sein, es ist sorgenfrei, denn sie kennt auf jede Frage eine Antwort. Sie kennt für jedes Problem die Lösung. Sie ist Mama.


Bei ihr zu sein bedeutet Frieden.
Bei ihr zu sein ist Schutz.
Wenn ich sie ansehe, sehe ich mich, Worte, die voller Ehrlichkeit aus meinem Gedankenwerk entspringen. Worte, die ich vor zehn Jahren nie zu sagen gewagt hätte.
Damals, als ich sie nicht verstehen konnte. Damals, als ich sie nicht verstehen wollte.
Wahrscheinlich sind die Attribute, die wir gemeinsam haben erst über die Jahre in mir gewachsen, denn je älter ich werde, desto mehr werde ich zu dieser wundervollen Frau.
Und dieses Wissen erfüllt mich mit Stolz und zugleich beruhigt es mich.


Mama,
ich sage Dir viel zu selten, wie dankbar ich dir bin.
Ich bin dankbar, dass du mich immer geliebt hast, auch in Momenten, in denen ich es verdient hatte gehasst zu werden.
Danke, dass du immer an mich geglaubt hast, selbst wenn ich den Glauben an mich verloren hatte.
Danke, dass du nie aufgegeben hast.
Oft sagen mir Menschen, dass ich eine starke Frau bin. Diese Stärke entspringt von dir. Meinem Muttertier.
Du warst nicht nur Mutter, du warst Vater, Lehrer, Freund und Gehstock.
Danke, dass du mir bis zum letzten Tag mein Brot geschmiert hast.
Weißt du noch, als ich verlassen wurde und vor lauter Kummer über Tage nichts essen konnte?
Wie du jeden Tag nur Dinge gekocht hast, die ich liebe, ob der Tatsache, dass du wusstest, ich werde es nicht essen können?
Ich sehe immer noch vor meinem inneren Auge die Art wie du mich angesehen hast, wenn ich nach einem Bissen aufgegeben habe.
Ich sehe deinen Blick vor mir und es treibt mir die Tränen in die Augen.

Mutter sein bedeutet mehr leiden zu müssen, als das eigene Kind.
Mutter zu sein heißt nicht schlafen können.
Mutter sein heißt sich um jemanden zu kümmern, obwohl man selbst jemanden bräuchte der sich um einen kümmert.

Mutter sein endet nicht wenn das Kind volljährig ist. Mutter sein ist ein Job ohne Rente. Und du bist die mit dem besten Arbeitszeugnis, das verspreche ich dir!

Danke für all‘ die Jahre, für die Wärme, für den Halt und für die Gene.
Ich bin stolz auf dich du schönes, starkes, intelligentes Mutterschiff

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Annicaillou

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